Gerade eingestiegen

Sunny Sunday Sweetness

Auf der Straße aufgelesen

“We are well advised to keep on nodding terms with the people we used to be, whether we find them attractive company or not.”
(Joan Didion)


Aus aktuellem Anlass

 

Liebes Theater,

 

bald schon geht wieder ein Theaterjahr langsam zu Ende. „Zum letzten Mal in dieser Spielzeit“ lautet dann der wohl am häufigsten gebrauchte Satzteil in den Pressemeldungen der Theaterhäuser in der Republik. „Zum letzten Mal in dieser Spielzeit“ – das ist ein Abschiedsgruß. Für einen Abschied in die Theaterferien, vielleicht sogar für immer. Und ein Abschied schmerzt. Die Trennung, die Distanz, das vielleicht nie eintretende Wiedersehen. Doch tut Ihnen zur Zeit irgendetwas weh, wenn sie lesen, das Ibsens Nora am städtischen Bühnenhaus zum letzten Mal seinen Abschlussapplaus entgegennehmen wird? Schmerzt es in der Brust bei dem Gedanken, dass nach diesem Monat das jüngste Performanceprojekt der jungen Schauspielgruppe aus ihrem Ortsteil sich schlichtweg in die ewigen Jagdgründe verabschiedet? Seien Sie ehrlich. Hier auf der anderen Seite der Tastatur jedenfalls hält sich die Trauer in Grenzen. Was nicht heißen soll, dass einem keine der diesjährigen Theaterbekanntschaften ans Herz gewachsen wäre. Es sind nur ziemlich wenige. Und wenn Sie es wirklich wissen wollen, zu wenige.

 

Und um eines gleich klar zu stellen, hier will keiner einen Heiner Müller bemühen, keinen Appell zur Schließung der Häuser formulieren, auch keinen radikalen Kahlschlag in der Förderungsstruktur postulieren. Nur eine simple Frage möchte ich stellen: Mein liebes Theater, liebst du mich eigentlich noch?

 

Mich, den Zuschauer, der mit offenen Augen und tief schlagendem Herz in deinen dunklen Reihen sitzt. Mich, den Zuschauer, der sich in zweieinhalb Stunden mit einer Pause der Liebe, dem Intrigenspiel, dem Verlust und der Desillusionierung hingibt. Mich, den Zuschauer, der sein Leben durch deine Augen zu sehen gelernt hat und an deiner Hand der Welt immer wieder neu die Stirn zu bieten lernte. Und mich, den Zuschauer, der sich großherzig mit dir um die Sicht stritt, schwer schlucken musste in Momenten der Selbstentlarvung und seine Tränen so oft doch alleine mit nach Hause nahm.

 

Ich finde, wir müssen reden. Reden über unsere Beziehung. Unsere Komplizenschaft, die sich immer öfter nur noch einseitig manifestiert und ganz ehrlich gesagt, all zu oft nur noch in der Vergangenheitsform existiert. Mich schmerzt es, wenn ich lese, dass deine Stücke zum letzten Mal in dieser Spielzeit zu sehen sein werden. Nicht, weil ich sie unter Umständen nie wieder auf dem Programmzettel lesen werde. Nicht der Verlust ist es, der mir zusetzt, sondern die Tatsache, dass mir dabei gar nichts weh tut. Zu oft hattest du mir in den letzten Jahren nichts mehr zu erzählen. Bist stumm geworden und lau. Schautest geradewegs durch mich hindurch, als wäre ich plötzlich aus Glas gemacht und nicht aus Blut und Wasser. Angst und Träumen. Herz und Wut. Deine Hände greifen nicht mehr nach mir, deine Lieder berühren mich nicht mehr. Vielleicht singst du sie auch gar nicht mehr für mich.

 

Vielleicht hat die Zeit dich müde gemacht und kalt. Abgeklärt und abgebrüht und abgestumpft. Du verhandelst viel, aber fühlst so wenig nur. Scheinst getrieben vom ewigen Ruf nach Neuem, der alle fest im Griff hat. Gibst dir aber keine Zeit zum Suchen. Keine Zeit zum Finden. Keine Zeit zum Atmen.

 

Keine Zeit, um Konsequenzen zu haben.

 

Keine Zeit, um wirklich zu passieren.

 

 

Lass uns reden.

 

In fester Umarmung,

b.

 

 

 

 

The hidden talents of everyday things



Let’s start messing things up and find the wonder in the regular..

Old friends and a new year



Turning back the pages can sometimes let you find yourself very lonely. Sometimes it simply shows you how much older you got. At other times the yellowed pages shyly smile back at you like some almost entirely forgotten complice. I know the new year only just begun to figure out its first steps and everyone seems eager to keep their eyes upon the endless line ahead of them. And turning back seems an odd thing to do. But I just wanna take this moment, just a few borrowed lines, to remind me, us, of these not so white pages we have already filled. With bright laughs and heavy steps, long nights and cold silence. With empty mornings and sweet hangovers, quiet happiness and bitter yearnings. But most of all, we have filled it with people. People that shaped our lives, made us write love letters, made us cry for too many nights, made us believe in who we are. May  you all be safe, be loved and may you never forget:

“You are the bread and the knife,
the crystal goblet and the wine.
You are the dew on the morning grass
and the burning wheel of the sun.
You are the white apron of the baker,
and the marsh birds suddenly in flight.

However, you are not the wind in the orchard,
the plums on the counter,
or the house of cards.
And you are certainly not the pine-scented air.
There is just no way that you are the pine-scented air.

It is possible that you are the fish under the bridge,
maybe even the pigeon on the general’s head,
but you are not even close
to being the field of cornflowers at dusk.

And a quick look in the mirror will show
that you are neither the boots in the corner
nor the boat asleep in its boathouse.

It might interest you to know,
speaking of the plentiful imagery of the world,
that I am the sound of rain on the roof.

I also happen to be the shooting star,
the evening paper blowing down an alley
and the basket of chestnuts on the kitchen table.

I am also the moon in the trees
and the blind woman’s tea cup.
But don’t worry, I’m not the bread and the knife.
You are still the bread and the knife.
You will always be the bread and the knife,
not to mention the crystal goblet and–somehow–the wine.”

(Billy Collins, Litany)